Fußball ohne Gewalt e. V.

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Doppelpässe am Domplatz

Die Mannschaftskapitäne Horst Scherbaum und „Männe“ Paul begrüßen sich am ersten Weihnachtsfeiertag 1953 im Ost-Berliner Walter-Ulbricht-Stadion zum „Aussöhnungsspiel“ Ost-Berlin gegen West-Berlin (Foto: Bildarchiv Manfred Malinowski im Sportmuseum Berlin).

Wir präsentieren vom 01. bis 29.05.2011 in der Stadt Halle (Saale) die Ausstellung „Doppelpässe - Wie die Deutschen die Mauer umspielten“. Die Schau, die in der ehemaligen Galerie am Domplatz zu sehen sein wird, erzählt aus ungewohnter Perspektive die Geschichte der deutschen Teilung: Anhand von seltenen Fotografien, privaten Dokumenten, Film- und Hörstationen, Exponaten und Inszenierungen veranschaulicht sie, wie es Fußballern und Fans zwischen 1945 und 1990 immer wieder aufs Neue gelang, die politische Realität der Teilung zu umspielen.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Einfluss des Politischen auf die Welt des Fußballs: So spiegelte der deutsch-deutsche Fußball nicht nur die Frontlinien des Kalten Krieges wider, sondern auch die gemeinsame Hoffnung und Begeisterung in Ost und West. „Die Ausstellung hebt die Kraft des Fußballs hervor: Der Sport verbindet über Mauern und Ideologien hinweg“, sagt André Cierpinski, Vorsitzender des im Jahr 2010 gegründeten halleschen Vereins „Fußball ohne Gewalt“.

Die Annäherung erfolgt aus verschiedenen Blickwinkeln: So werden die unterschiedlichen Strukturen des Fußballs in der DDR und in der Bundesrepublik skizziert. Die Ausstellung zeigt, wie sportliche Duelle zwischen den Teams aus beiden deutschen Staaten häufig zu symbolträchtigen Kämpfen zwischen den politischen Systemen stilisiert wurden. Die Abgrenzung im Kalten Krieg führte Ende der 50er Jahre zu kuriosen Blüten wie den „Geisterspielen“ zwischen der DDR und der Bundesrepublik, die vor leeren Zuschauerrängen ausgetragen wurden. Unvergessen sind die deutsch-deutschen Europapokalspiele der 70er und 80er Jahre; darunter die Begegnungen zwischen Bayern München und Dynamo Dresden 1973 sowie das legendäre Aufeinandertreffen von Bayer Uerdingen und Dynamo Dresden 1986.

Es sind jedoch auch die persönlichen Geschichten, die die Atmosphäre jener Jahre lebendig werden lassen: Geschichten von Fan-Freundschaften über den Eisernen Vorhang hinweg; von fußballbegeisterten DDR-Bürgern, die nach Polen oder Bulgarien reisten, um ihre Bundesliga-Stars live erleben zu können; von Schicksalen jener DDR-Fußballer, die in den Westen flohen.

Im Berliner Kosmos tickten die Uhren stets anders: So wurden zwischen 1948 und 1950 Gesamtberliner Fußballmeisterschaften ausgetragen. Im Jahr 1955 fand sich noch einmal eine Gesamtberliner Stadtelf zusammen: Ein letztes Mal keimte die Hoffnung auf eine mögliche Wiedervereinigung. In den 70er und 80er Jahren verband die Anhänger des Ost-Berliner 1. FC Union und der West-Berliner Hertha eine besondere Freundschaft. Unter den Augen der allgegenwärtigen Stasi fuhren Hunderte Hertha-Fans regelmäßig zu Union-Spielen in die Köpenicker Wuhlheide.

Den Schlusspunkt der Ausstellung bilden die emotionalen Ereignisse der Jahre 1989/90. Nach dem Fall der Mauer kam es zu zahllosen deutsch-deutschen Fußballbegegnungen. Im Sommer 1990 konnten Ost- und West-Deutsche den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien schließlich gemeinsam feiern. Die Vereinigung der beiden deutschen Fußballverbände erfolgte am 21. November 1990 in Leipzig.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit wurde die Ausstellung mit dem Bürgerpreis zur Deutschen Einheit der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. In Sachsen-Anhalt war die Schau bislang allein in der Gedenkstätte „Deutsche Teilung Marienborn“ zu sehen. „Deshalb freuen wir uns, die ‚Doppelpässe’ mit Hilfe von vielen fußballbegeisterten halleschen Partnern auch in unserer Stadt zeigen zu können“, sagt Mario Kerzel, Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins „Fußball ohne Gewalt“. Neben der  Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg e.G. (BWG), dem Sport-, Gesundheits- und Freizeitzentrum „Sportparadies“, das im Böllberger Weg entsteht, und Europcar unterstützen auch die Via GmbH Halle und die Firma S.A.M. Telecom das Ausstellungsprojekt.

Begleitprogramm mit Lesungen und Filmabend

Lesungen, ein Filmabend mit Talk, Vorträge sowie Workshops für Schulklassen begleiten das Ausstellungsprojekt:

Zur Eröffnung am 1. Mai 2011, 15 Uhr, lädt der Verein „Fußball ohne Gewalt“ zu einer Podiumsdiskussion mit Fußballgrößen von damals und heute ein.

Am Samstag, 14. Mai 2011, ist der Berliner Kult-Autor Andreas Gläser (www.baufresse.de) in der Ausstellung zu Gast. Gläser, der 1994 als „Jan Schlendrian” seine ersten Storys in Fußball-Fanzines veröffentlichte, liest ab 19 Uhr aus seinem ersten Buch „Der BFC war schuld am Mauerbau“ sowie aus seinem ersten Roman „Bambule Berlin“. Anschließend legt Gläser alias DJ Baufresse im „The Connoisseur“ in der Kleinen Ulrichstraße 29 auf. Auch eine Lesung mit Fußball-Legende Jürgen Sparwasser, der seine Biografie „Sparwasser, Sparwasser, Toor!“ vorstellt, ist geplant.

Am Dienstag, 10. Mai 2011, 19 Uhr, ist der Sportjournalist und Buchautor Ronny Blaschke (www.ronnyblaschke.de) mit seinem Vortrag „Angriff von Rechtsaußen - Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“ zu Gast.

Am Mittwoch, 25. Mai 2011, präsentieren die Heinrich-Böll-Stiftung und der Verein „Fußball ohne Gewalt“ anlässlich der Frauen-Fußball-WM in Deutschland einen Filmabend mit Talk. Unter dem Titel „Gegnerinnen-Aufklärung“ wird im Mitteldeutschen Multimediazentrum die Fußballkultur teilnehmender Länder erkundet: Um 17.30 Uhr beginnt mit „Football Under Cover“ ein Dokumentarfilm über einen Kreuzberger Frauenfußballverein, der gegen die iranische Frauen-Nationalmannschaft antreten will. Um 19.15 Uhr startet eine Gesprächsrunde mit Ana Montenegro (ehemalige Nationalspielerin Mexikos), Mayerli Vargas (Street Soccer Mexiko) und Thomas Mihan (Street Soccer Girls Dresden).

Am Samstag, 28. Mai 2011, geht es von der Kleinen Ulrichstraße ins Londoner Wembley-Stadion: Zum Endspiel der UEFA Champions League 2011 lädt der Verein "Fußball ohne Gewalt" zum Public Viewing in den Pub "The Connoisseur" ein.

Die "Doppelpässe", eine Ausstellung des Zentrums deutsche Sportgeschichte und der Agentur exhibeo, wurden mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Bundesministeriums des Innern entwickelt und werden durch die DFB-Kulturstiftung und die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt gefördert.

Mehr Informationen auch unter: www.doppelpaesse.de und www.boell-sachsen-anhalt.de

Öffnungszeiten 2. bis 29. Mai 2011

  • Montag bis Freitag 15.00 bis 18.00 Uhr
  • Sonnabend und Sonntag 10.00 bis 16.00 Uhr
  • Schülergruppen außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Der Eintritt ist kostenfrei.

Ausstellungsort

Galerie am Domplatz
Domplatz 6
06108 Halle (Saale)